Thema Zahnpasta in aller Munde

Aktuell gibt es heiße Diskussionen zum Thema Zahnpasta und Fluorid. Viele sagen es gibt immer etwas anderes das gerade schädlich sein soll. Aber irgendwie ist man eben doch verunsichert, wenn man etwas Neues liest.

Hier der Link zu dem Artikel, der gerade per Facebook die Runde macht: http://newstopaktuell.wordpress.com/2013/01/11/zahnpasta-zerstorung-und-vergiftung-auf-raten/

Ich habe Rat bei der Ökotest gesucht und zitiere hier die Antwort, die mich per Email erreichte und hoffe euch damit auch weiter helfen zu können:

Das Thema Fluoride wird immer wieder kontrovers diskutiert, auch
ÖKO-TEST hat des Öfteren sowohl auf die positiven als auch auf die
möglichen negativen Wirkungen von Fluorid hingewiesen. Im aktuellen Test
von Zahnpasten (ÖKO-TEST Magazin 6/2013) sowie bereits in den Tests in
ÖTM 07/05, ÖTM 08/05 und ÖTM 09/05 haben wir Position in der Bewertung
zu Fluorid bezogen, aufgrund von aktuellen wissenschaftlichen
Erkenntnissen, bei denen die förderlichen Wirkungen von Fluorid überwiegen.

Die Begriffe Fluor und Fluorid werden im Volksmund häufig durcheinander
gebracht.

Fluor ist ein nicht-metallisches, stark reaktionsfähiges Gas, das sich
sehr schnell mit anderen Elementen verbindet und daher in der Natur
nicht frei vorkommt, Fluoride sind eben diese Fluor-Verbindungen. Spuren
von Fluoriden sind ubiquitär. Im menschliche Gewebe kommen Fluoride in
allen Geweben vor. In der Zahnmedizin geht es also immer um Fluoride
(insbesondere Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid und Zinnfluorid).
Fluoride sind für den Mund keine Fremdstoffe, sie sind natürlicher
Bestandteil der Zähne und der Knochen.

Sicher ist eine Überdosierung an Fluoriden mit krankhaften Folgen
möglich, dennoch sollte man Fluoride nicht im Allgemeinen verdammen,
denn es kommt, wie fast immer, auf die richtige Dosierung an.

Zur sogenannten Fluorose (als Folge von Fluorid-Überdosierung) kommt es
in Deutschland so gut wie nie. In bestimmten Gebieten Afrikas und
Indiens sind manchmal Zähne mit den typisch bräunlich-gelben Zähnen zu
sehen, die auf eine Überdosierung an Fluorid zurückzuführen sind. In
diesen Regionen liegt allerdings auch der Fluorid-Gehalt des
Trinkwassers bei 8-10 mg/l.

Trinkwasser in Deutschland enthält in der Regel weniger als 0,25 mg/l,
Deutschland ist ein Fluorid-Mangel Gebiet. Dennoch darf eine
Trinkwasserfluoridierung
hierzulande nicht durchgeführt werden. Diese Art der
Zwangsmedikamentierung würde sich gegen den zentralen Regelsatz in der
Trinkwasserversorgung richten, der besagt, dass Trinkwasser von Zusätzen
freizuhalten und so natürlich wie möglich zu belassen ist (DIN 2000).
Vergiftungen durch Fluoride sind nahezu unmöglich. Laut Stiftung
Warentest müsste ein fünfjähriges 20kg schweres Kind den Inhalt einer
kompletten Zahnpastatube aufessen, um Vergiftungserscheinungen zu
zeigen, und das auch nur im ungünstigsten Fall.

Und zu Knochenschäden durch Fluoride kommt es nur, wenn Flourid über
mindestens zehn Jahre in viel zu hohen Dosen eingenommen wird. ( Vgl.
ÖKO-TEST 09/2005. In der Rubrik „Kurz und Gut“ haben wir bereits über
die Fluoriddiskussion berichtet.)

Im wesentlichen tragen Fluoride zur Remineralisierung des Zahnschmelzes
bei, insbesondere bei direktem Auftragen auf die Zähne (z.B. durch
Zahnpasta), wie verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zeigen.
Sie machen den Zahn widerstandsfähiger gegen Karies, „die Volkskrankheit
Nummer 1 in Deutschland“. Stark konzentrierte Fluoridlösungen werden in
Zahnarztpraxen auch gezielt zur Behandlung von überempfindlichen
Zahnhälsen eingesetzt. In zwei bis drei Behandlungen wird so der
Zahnschmelz wieder remineralisiert.

Auch hier kommt es auf die richtige Dosierung an. Die Fluoridaufnahme
über die Nahrung und Zahncreme für die Kariesprophylaxe eines
Erwachsenen ist ausreichend, so auch das Bundesinstitut für
Risikobewertung (BfR).

Bei Kindern jedoch, sollte auf die Fluoridzufuhr geachtet werden, da
aufgrund des geringeren Körpergewichtes die Fluoridaufnahme allein aus
der Nahrung pro Kilogramm Körpergewicht steigt. Kinderzahncremes (für
Kinder unter sechs Jahren) sollten aus diesem Grund maximal nur 0,05%
Fluorid enthalten. Es ist trotz des geringeren Fluoridgehaltes der
Zahncreme darauf zu achten, dass Kinder die Zahncreme möglichst nicht
verschlucken. Bei der Verwendung einer fluoridhaltigen Zahncreme ist die
Gabe von Fluoridtabletten, sogenannten Fluoretten, oder auch
fluoridhaltigem Wasser nicht nötig. Diese ‚Multiapplikation‘ kann zu der
besagten Dentalfluorose, einer Fluorablagerung in den Zähnen und in
schweren Fällen in den Knochen, führen.
Ausführlich mit dem Thema haben wir uns auch im Ratgeber Kleinkinder
2012 beschäftigt.

Zu Ihrer Information können Sie auch unter
http://www.dgzmk.de/index.php?site=std4 eine Stellungnahme der Deutschen
Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu den
Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden lesen.

Einem weiteren Bericht des BfR ist zu entnehmen, dass neben der
Fluoridversorgung durch Lebensmittel und einer Form der systemischen
Fluoridierung (z.B. Speisesalz), Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren
zusätzlich fluoridierte Zahncremes verwenden können.
Den Bericht finden Sie im Internet unter

http://www.bfr.bund.de/cm/208/verwendung_von_mineralstoffen_und_vitaminen_in_lebensmitteln.pdf

Über die Fluoriddiskussion haben wir z.B. auch in ÖKO-TEST Magazin
9/2002 in der Rubrik „Kurz & Gut“ berichtet. In diesem Kurzartikel sind
wir auch aufgrund der Tatsache, dass das belgische
Gesundheitsministerium Fluorid in freiverkäuflichen Tabletten,
Nahrungsergänzungsmitteln und Kaugummis verbieten wollte, auf die
möglichen Gefahren von Fluorid eingegangen. Übrigens, wurden dann nur
frei verkäufliche Fluorid-Tabletten und Kaugummis in Belgien vom Markt
genommen. Zahnpasta und Salz blieben von dem Verbot aber ausgenommen.

Zu der Diskussion, dass Fluorid Krebs verursachen würde, hat das
ehemalige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin bereits im Juli 2002 Stellung genommen:

„Bundesinstitut
für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
Verwendung fluoridierter Lebensmittel und die Auswirkung von Fluorid auf
die Gesundheit
Stellungnahme des BgVV vom Juli 2002

….Fluorid wird seit Jahren immer wieder in Zusammenhang gebracht mit
Chromosomenveränderungen,
Krebs und anderen Krankheiten. Diese Warnungen beruhen darauf, dass
Fluorid in hohen
Dosen Zellen schädigen kann, berücksichtigen aber nicht den Dosiseffekt.
Alle diese behaupteten
Nebenwirkungen haben sich als unwahr erwiesen.“
(http://www.bfr.bund.de/cm/208/verwendung_fluoridierter_lebensmittel_und_die_auswirkung_von_fluorid_auf_die_gesundheit.pdf
).

Eine aktuelle Untersuchung der Charité in Berlin im Rahmen des Kinder-
und Jugendsurveys (KIGGS) des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahre 2012
bestätigt zudem, dass fluoridiertes Speisesalz eine entscheidende Rolle
bei der Zahngesundheit spielt.
Allgemein gilt die Fluoridaufnahme in Deutschland als gering, schwankt
aber in Abhängigkeit von den Verzehrsgewohnheiten und den regionalen
unterschiedlichen Fluoridgehalten von Trink- und Mineralwasser. Die
geschätzte Aufnahme eines Erwachsenen liegt hierzulande zwischen 0,4 und
1,5 mg Fluorid am Tag. Die Fluoridaufnahme des Menschen erfolgt über
feste Lebensmittel (fluoridreich sind z. B.Fisch, Algen und
Meerestiere), Trinkwasser, Mineralwasser, schwarzen Tee, fluoridhaltige
Zahnpasten und Zahnpflegemittel und ggf. über fluoridiertes Speisesalz
und speziell fluoridhaltige Arzneimittel.
Die Zufuhrempfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
werden für Männer mit 3,8 mg/ Tag und für Frauen mit 3,1 mg/ Tag angegeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.